Das Ende meiner Sucht by Ameisen Olivier

Das Ende meiner Sucht by Ameisen Olivier

Author:Ameisen, Olivier [Ameisen, Olivier]
Language: deu
Format: epub
Tags: Ratgeber
ISBN: 9783888975851
Publisher: Kunstmann Antje GmbH
Published: 2009-09-14T22:00:00+00:00


Es war Zeit, Philippe Coumel mitzuteilen, womit ich mich beschäftigte.

Er lag im Krankenhaus, als ich ihn im August besuchte, sein Anblick erschreckte mich. Er war offensichtlich sehr krank, doch seine intelligenten Augen und sein Lächeln waren unverändert, und sein Verstand war messerscharf wie eh und je.

Seine Frau saß bei ihm, als ich das Krankenzimmer betrat, ich sah sie zum ersten Mal. Nach einiger Zeit entschuldigte sie sich, damit Philippe und ich unter vier Augen reden konnten.

Ich informierte ihn über den Stand meiner neuesten Online-Recherchen und meine Selbstversuche mit Baclofen und Topiramat. Ich schilderte, wie Baclofen bei mir vollkommen anders wirkte als alle anderen Medikamente, die ich gegen Angst und Alkoholismus eingenommen hatte. Und ich legte dar, warum ich vermutete, dass die beste weitere Behandlungsstrategie darin bestand, meine tägliche Baclofen-Dosis langsam zu steigern, bis ich entweder vollständige Abstinenz erreichte oder die Nebenwirkungen zu stark würden.

Genau wie damals, als ich ihm die Erkenntnisse meiner medizinischen Doktorarbeit vorgetragen hatte, hörte Philippe mit gebannter Aufmerksamkeit zu und bat nur gelegentlich, dass ich Näheres zu Veränderungen bei meiner Angst- und Alkoholsymptomatik unter den verschiedenen Medikamenten sagte. Er vergaß seine eigenen Sorgen und widmete sich als mein Mentor und mein Freund ganz der Aufgabe, mir dabei zu helfen, meine Selbstdiagnose und meine Überlegungen zur Behandlung meines Alkoholismus mit hoch dosiertem Baclofen weiter auszuarbeiten.

Er sagte: »Olivier, Sie waren bei Ihren Patienten immer ein hervorragender Zuhörer, und jetzt bieten Sie sich das selbst: Sie geben hervorragende Beschreibungen. Ihre Überlegungen, dass Muskelspannungen und Verlangen nach einem Suchtmittel durch einen unbekannten Mechanismus verbunden sein müssen, sind absolut einleuchtend. Lassen Sie sich nicht von Enttäuschung überwältigen, wenn Sie sich irren sollten. Aber Ihr Plan könnte funktionieren, und ich denke, er wird funktionieren. Ich freue mich, von Ihren Ergebnissen zu hören.«

Es waren vier Jahre vergangen, seit Philippe mich ermahnt hatte, auf mich zu achten. Er hatte mir so denkwürdige Sätze geschrieben: »Ich lasse Sie nicht im Stich und werde mich nie abwenden. Aber viel wichtiger: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein so kluger Mann wie Sie nicht die Lösung findet.«

Er war seinen Worten treu geblieben. Und ich tat alles, um seine Erwartungen nicht zu enttäuschen.



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